Alexa Bliss

Daniel
15 Min Read
Sarah Bellia, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Manche Wrestlerinnen brauchen Größe, Muskelmasse oder eine Aura wie ein Vorschlaghammer. Alexa Bliss brauchte das nie. Sie kam nicht in die WWE und wirkte wie die Frau, die alle körperlich dominieren würde. Sie war kleiner, leichter, optisch fast zu perfekt für die brutale Welt zwischen Seilen, Mattenknall und Backstage-Intrigen.

Und genau daraus machte sie ihre Waffe.

Alexa Bliss wurde in der WWE nicht groß, weil sie alle überpowerte. Sie wurde groß, weil sie verstand, wie man einen Raum kontrolliert. Mit einem Blick. Mit einem Grinsen. Mit einer kleinen Bewegung, die sagte: Ich weiß genau, was ich tue. Aus Alexis Kaufman, geboren am 9. August 1991 in Columbus, Ohio, wurde eine Figur, die über Jahre zu den auffälligsten Namen der WWE-Frauen-Division gehörte. Nicht immer unumstritten, nicht immer im Ring die spektakulärste Athletin des Abends, aber fast immer jemand, den man nicht ignorieren konnte.

Wer ist Alexa Bliss?

Alexa Bliss heißt bürgerlich Alexis Cabrera, geborene Kaufman. In der WWE tritt sie unter ihrem bekannten Ringnamen Alexa Bliss auf. Sie steht bei WWE unter Vertrag und gehört dem SmackDown-Roster an. Vor ihrer Wrestling-Karriere war Sport schon früh ein fester Bestandteil ihres Lebens. Sie betrieb unter anderem Leichtathletik, Softball und Gymnastik, war Cheerleaderin und nahm später auch an Fitness-Wettbewerben teil. Genau diese sportliche Vorgeschichte sieht man ihrem Stil bis heute an, besonders beim Twisted Bliss, ihrem spektakulären Move vom obersten Seil.

Für viele Fans ist Alexa Bliss aber nicht nur eine Wrestlerin mit Titeln im Lebenslauf. Sie ist eine Figur, die mehrere WWE-Phasen miteinander verbindet: die junge NXT-Zeit, den Aufstieg der Women’s Revolution, die Ära der starken Brand-Splits, die Tag-Team-Phase mit Nikki Cross, die düstere Verbindung zu Bray Wyatt und später die Rückkehr nach längerer Pause.

Das ist für eine Karriere bemerkenswert. Denn Alexa Bliss hat sich nicht einfach nur weiterentwickelt. Sie hat sich mehrfach neu zusammengesetzt.

NXT: Vom Glitzer-Gimmick zur gefährlichen Nebenrolle

Alexa Bliss unterschrieb 2013 bei WWE und wurde zunächst bei NXT aufgebaut. Am Anfang war da noch viel Glitzer, viel Cheerleader-Optik, viel freundliches Fantasy-Gimmick. Rückblickend wirkt diese Version fast wie ein anderer Charakter. Eine junge Wrestlerin, die noch sucht, wo sie in dieser riesigen WWE-Maschine eigentlich hingehört.

Der erste echte Knick in die richtige Richtung kam, als Bliss an der Seite von Wesley Blake und Buddy Murphy auftauchte. Aus der glitzernden Außenseiterin wurde plötzlich eine manipulative Begleiterin, die ins Geschehen eingriff, provozierte und im richtigen Moment störte. Genau da blitzte zum ersten Mal das durch, was später ihr Markenzeichen werden sollte: Alexa Bliss konnte Heat ziehen, ohne laut schreien zu müssen.

Bei NXT TakeOver: Unstoppable half sie Blake und Murphy, die NXT Tag Team Championship gegen Enzo Amore und Colin Cassady zu verteidigen. Damit begann ihre Heel-Rolle innerhalb dieser Gruppierung. Später fehdete sie bei NXT unter anderem mit Bayley um die NXT Women’s Championship, konnte den Titel dort aber nicht gewinnen.

Das klingt auf dem Papier nach klassischer Aufbauphase. In Wahrheit war es mehr. NXT war für Bliss die Teststrecke. Dort wurde klar, dass sie kein typisches Babyface sein musste. Sie funktionierte besser als Gift im System. Klein, bissig, überheblich und immer so, als würde sie im Kopf schon drei Schritte weiter sein.

Der Sprung zu SmackDown: Alexa Bliss wird Champion

2016 wurde Alexa Bliss im Zuge des WWE Drafts zu SmackDown geholt. Kurz darauf feierte sie ihr Main-Roster-Debüt. Schon am 9. August 2016 holte sie gegen Becky Lynch ihren ersten Sieg im Main Roster. Das war kein kleiner Name für den Start. Becky Lynch war zu diesem Zeitpunkt längst eine wichtige Figur der neuen WWE-Frauen-Division.

Der große Durchbruch kam wenige Monate später. Bei TLC: Tables, Ladders & Chairs am 4. Dezember 2016 besiegte Alexa Bliss Becky Lynch in einem Tables Match und wurde SmackDown Women’s Champion. Das war der Moment, in dem aus einem interessanten Call-up plötzlich eine Topspielerin wurde. Nicht irgendwann. Nicht langsam. Sondern mit voller Wucht.

Bliss passte perfekt in diese SmackDown-Zeit. Die Show hatte damals eine Frauen-Division, die nicht nur über einen Star lief. Becky Lynch, Naomi, Natalya, Carmella, Mickie James und Alexa Bliss gaben dem Titel eine echte Szene. Bliss war dabei die Figur, die man am liebsten ausbuhen wollte, weil sie so verdammt gut darin war, unfair zu gewinnen und sich danach trotzdem wie die verdiente Königin feiern zu lassen.

Im Februar 2017 gewann sie den SmackDown Women’s Title ein zweites Mal und wurde damit die erste zweifache SmackDown Women’s Champion. Auch das zeigt, wie schnell WWE ihr vertraute. Alexa Bliss war nicht mehr nur eine Ergänzung. Sie war ein Zentrum.

Raw: Die „Goddess“ übernimmt die große Bühne

2017 wechselte Alexa Bliss zu Raw. Und dort passierte etwas, das ihre Karriere endgültig in eine andere Liga schob. Bei Payback am 30. April 2017 besiegte sie Bayley und gewann die Raw Women’s Championship. Damit wurde sie die erste Frau, die sowohl die Raw Women’s Championship als auch die SmackDown Women’s Championship halten konnte.

Das war historisch. Aber noch wichtiger: Es passte perfekt zu ihrer Figur. Alexa Bliss verkörperte in dieser Phase die „Goddess“ der WWE. Nicht im Sinne einer unantastbaren Heldin, sondern als gnadenlos selbstverliebte Championess, die wusste, dass sie die Fans gegen sich hatte und daraus Energie zog.

Ihre Regentschaften waren nicht immer auf klassische Ringdominanz gebaut. Bliss war nie die Wrestlerin, die in jedem Match wie eine unaufhaltsame Kampfmaschine wirkte. Ihre Stärke lag im Timing, im Charakter, in der Reaktion. Sie konnte ein Match gewinnen, ohne dass es sich sauber anfühlte. Sie konnte eine Promo halten und dafür sorgen, dass die Gegnerin plötzlich emotionaler wirkte als sie selbst. Das war ihre Kunst.

Sie fehdete mit Bayley, Sasha Banks, Mickie James, Nia Jax und Ronda Rousey. Sie gewann die erste Women’s Elimination Chamber im Jahr 2018 und verteidigte dort ihren Raw-Titel. Später verlor sie den Titel bei WrestleMania 34 an Nia Jax, doch die nächste große Eskalation folgte schnell.

Bei Money in the Bank 2018 gewann Alexa Bliss das Ladder Match, cashte den Vertrag noch am selben Abend gegen Nia Jax ein und wurde erneut Raw Women’s Champion. Damit war sie die erste Frau, die ihren Money-in-the-Bank-Vertrag am selben Abend einlöste, an dem sie ihn gewonnen hatte.

Das war ein klassischer Alexa-Bliss-Moment. Chaotisch. Frech. Opportunistisch. Und genau deshalb perfekt.

Verletzungen, Talk-Segment und eine neue Rolle

Ab 2018 wurde ihre Karriere komplizierter. Verletzungen und medizinische Pausen bremsten sie aus. Alexa Bliss wurde zeitweise aus dem aktiven Ringgeschehen genommen, blieb aber trotzdem im WWE-TV präsent. Sie übernahm Rollen als Team-Kapitänin, bekam Autoritätsnähe in Storylines und startete später ihr eigenes Interviewsegment „A Moment of Bliss“.

Das ist ein wichtiger Punkt in ihrer Karriere. Viele Wrestlerinnen verschwinden aus dem Fokus, wenn sie nicht regelmäßig wrestlen können. Bliss blieb sichtbar. WWE nutzte sie, weil sie vor der Kamera funktionierte. Sie konnte reden, reagieren, provozieren und Segmente tragen. Das machte sie wertvoll, selbst wenn der Körper gerade nicht für lange Matches bereit war.

2019 hostete sie sogar WrestleMania 35. Auch das sagt viel über ihren Status aus. Alexa Bliss war zu diesem Zeitpunkt längst mehr als eine In-Ring-Athletin. Sie war eine WWE-TV-Figur im besten Sinne.

Alexa Bliss und Nikki Cross: Das ungewöhnliche Erfolgsduo

Eine der stärksten Phasen ihrer Karriere begann nicht mit einem Singles-Titel, sondern mit einer Partnerschaft, die auf den ersten Blick kaum zusammenpassen durfte: Alexa Bliss und Nikki Cross.

Bliss, die kontrollierte, sarkastische, glamouröse Manipulatorin. Cross, die wilde, unberechenbare Chaosfigur. Genau diese Gegensätze machten das Team interessant. Aus einer Zweckgemeinschaft wurde etwas, das bei Fans tatsächlich ankam. Die Dynamik war nicht nur Gimmick, sondern erzählte eine Entwicklung: Alexa Bliss wirkte plötzlich verletzlicher, menschlicher, weniger eiskalt.

Im August 2019 gewannen Bliss und Cross die WWE Women’s Tag Team Championship. 2020 holten sie die Titel bei WrestleMania 36 gegen die Kabuki Warriors ein zweites Mal. Damit wurden sie das erste Team, das die WWE Women’s Tag Team Championship mehrfach gewinnen konnte.

Diese Phase war wichtig, weil sie Alexa Bliss weicher zeichnete, ohne sie langweilig zu machen. Sie bekam eine neue Farbe. Nicht mehr nur die böse Göttin, sondern eine Figur, die Bindungen eingehen konnte. Bei WWE ist das manchmal der schwierigste Schritt überhaupt.

Die düstere Phase mit Bray Wyatt und „The Fiend“

Dann kam der vielleicht ungewöhnlichste Abschnitt ihrer Karriere.

2020 wurde Alexa Bliss in die Storyline um Braun Strowman, Bray Wyatt und dessen Alter Ego „The Fiend“ gezogen. Was zunächst wie ein Nebenmotiv wirkte, wurde schnell zu einer kompletten Charakterveränderung. Bliss übernahm immer stärkere Elemente aus Wyatts Horror-Welt, ging in Trance-artige Zustände, nutzte sogar den Sister Abigail und wurde zu einer düsteren, fast puppenhaften Figur mit eigener Symbolik.

Diese Phase spaltet Fans bis heute. Manche liebten den Mut zur Überzeichnung. Andere fanden die Story zu weit weg vom Wrestling-Kern. Aber egal, wie man dazu steht: Alexa Bliss war in dieser Rolle auffällig. Sie war nicht nur Anhängsel von Bray Wyatt. Sie wurde selbst zum Gruselbild, zur irritierenden Präsenz, zur Figur, bei der man nie genau wusste, ob gleich ein Match, ein Puppentheater oder ein kompletter WWE-Fiebertraum passiert.

Der Name Lilly wurde in dieser Zeit ebenfalls fest mit Bliss verbunden. Diese Puppe war für viele Fans Symbol dafür, wie weit WWE mit der Figur ging. Mal faszinierend, mal absurd, mal großartig trashig. Genau diese Mischung machte die Phase so speziell.

Rückkehr, Tag-Team-Gold und Charlotte Flair

Nach weiteren Unterbrechungen und einer längeren Pause kehrte Alexa Bliss 2025 beim Royal Rumble zurück. Es war ihr erster WWE-Auftritt nach rund zwei Jahren. Allein diese Rückkehr zeigte, wie groß ihr Name geblieben war. Auch nach langer Abwesenheit reagierte das Publikum, weil Alexa Bliss nie einfach nur ein Kaderplatz war. Sie war Erinnerung, Charakter, Debatte.

2025 begann sie später eine Partnerschaft mit Charlotte Flair. Das war wieder so ein Team, das auf dem Papier nach Spannung roch. Charlotte, die „Queen“, die immer eine Aura von Anspruch und Dominanz mitbringt. Bliss, die Meisterin der kleinen Giftstiche. Zwei Charaktere, die nicht unbedingt beste Freundinnen sein müssen, um gefährlich zu werden.

Bei SummerSlam 2025 gewannen Bliss und Flair gemeinsam die WWE Women’s Tag Team Championship. Für Alexa Bliss war es bereits der vierte Tag-Team-Titelgewinn ihrer Karriere. Ihre Regentschaft endete im November 2025 nach 100 Tagen gegen die Kabuki Warriors. Bei Survivor Series: WarGames standen Bliss und Flair später auf der siegreichen Seite. 2026 traten beide bei WrestleMania 42 erneut um die WWE Women’s Tag Team Championship an, konnten den Titel dort aber nicht gewinnen.

Warum Alexa Bliss so wichtig für WWE ist

Alexa Bliss ist keine Wrestlerin, die man nur über Match-Sterne erklären sollte. Wer ihre Karriere auf technische Workrate reduziert, verpasst den Kern. Ihre Bedeutung liegt in der Kombination aus Charakterarbeit, Timing, Präsenz und Wandelbarkeit.

Sie konnte die kleine, gemeine Championess sein. Sie konnte die sarkastische Talkshow-Gastgeberin sein. Sie konnte Tag-Team-Partnerin mit Herz sein. Sie konnte in einer Horror-Story stehen, ohne komplett darin unterzugehen. Und sie konnte nach langer Pause zurückkehren, ohne dass die Fans sie vergessen hatten.

Das schaffen nicht viele.

Ihre Titel sprechen ohnehin für sich: mehrfache Raw Women’s Champion, mehrfache SmackDown Women’s Champion, mehrfache Women’s Tag Team Champion, Money-in-the-Bank-Siegerin, Gewinnerin der ersten Women’s Elimination Chamber. Dazu kommt ihre Bedeutung außerhalb des Rings, unter anderem durch Auftritte in WWE-Videospielen, „Total Divas“ und „The Masked Singer“.

Doch Zahlen sind bei Alexa Bliss nur die halbe Geschichte. Die andere Hälfte ist Gefühl. Fans erinnern sich an ihre Gesten, ihre Mimik, ihre Outfits, ihre Promos, ihre Theme-Songs, ihre Horror-Phase, ihre Teams, ihre Comebacks. Bliss war nie nur eine Wrestlerin mit einem Moveset. Sie war immer eine Figur, die WWE-TV sofort anders einfärben konnte.

Alexa Bliss privat: Ehe, Familie und Leben abseits des Rings

Abseits der WWE ist Alexa Bliss seit 2022 mit Musiker Ryan Cabrera verheiratet. Das Paar hat ein Kind. Auch das erklärt teilweise, warum ihre Karriere in den vergangenen Jahren nicht mehr so geradlinig verlief wie in ihrer großen Titelphase zwischen 2016 und 2018. Pausen, persönliche Veränderungen und neue Prioritäten gehören zu einer langen Wrestling-Karriere dazu.

Gerade bei Alexa Bliss wirkt das aber nicht wie ein Karrierebruch. Eher wie ein weiterer Abschnitt in einer Laufbahn, die ohnehin nie nur eine gerade Linie war. Sie war NXT-Projekt, Champion, Talkshow-Host, Tag-Team-Star, Horrorfigur, Rückkehrerin. Ihre Karriere hatte immer wieder neue Formen. Vielleicht ist genau das der Grund, warum ihr Name bis heute funktioniert.

Share This Article